Hallo zusammen! Das hier wird mein erster Blogbeitrag für BoldHumans. Dank Tabita, der großartigen Person hinter diesem queer-friendly Sexshop, darf ich jetzt ein paar Blogbeiträge hier schreiben. Also stelle ich mich erst mal vor. Ich bin K (er/ihm) und einige von euch kennen mich vielleicht von meinem Instagram-Review-Account QueerPeen69 (ja, ich weiß, ein sehr erwachsener Witz). Ich bin eine transmaskuline* Person und in diesem Blog möchte ich ein paar meiner persönlichen Erfahrungen mit euch teilen. Durch diese queere Brille spreche ich über verschiedene Themen.
In diesem ersten Blogbeitrag geht es um Inklusivität in Online-Sexshops. Was bedeutet das für mich und wie könnten Online-Shops mehr Inklusivität für queere Menschen umsetzen?
Fangen wir am Anfang an: Sagen wir, du suchst ein neues Sextoy. Du gehst online, um eins zu finden. Und stößt auf ein paar Onlineshops. Hmm, du willst einen Vibrator kaufen. Super, los geht’s! Zeit, sich durch die Kategorien zu filtern. Oh, was ist das denn: Für sie/Für ihn, Weiblich/Männlich, Frauen/Männer? Für Paare (indirekt heißt das oft cis heterosexuelle Paare) Okay, meinetwegen. In der Frauen-Abteilung finden wir, was wir brauchen: die Vibratoren. Wo musst du suchen, wenn du einen Penis-Masturbator kaufen willst? Du musst in die Männer-Abteilung. Bevor ich mich als trans geoutet habe, war Toy-Shopping kein Ding. Diese binäre Einteilung hat mich kaum gestört. Ehrlich gesagt habe ich nie groß darüber nachgedacht. Ich wusste einfach: Wenn ich ein Toy für meine sexuelle Lust wollte, musste ich in der Frauen-Kategorie suchen. Tja… Jetzt ist es komplizierter geworden. Auch wenn ich kaum Bottom-Dysphorie erlebe, habe ich trotzdem soziale Dysphorie. Und es ist echt mies, in der Frauen-Abteilung shoppen zu müssen, wenn ich einen neuen Dildo oder Vibrator kaufen will. Das ist entfremdend. Ich bin keine Frau. Und trotzdem liegen die Toys, die ich kaufen will, in dieser Kategorie. Es reduziert mich wieder auf gegenderte Genitalien. Es steckt mich wieder in Schubladen. Nicht alle Menschen mit Vulva sind Frauen, und nicht alle Menschen mit Penis sind Männer.
Wie könnten wir dieses binäre Problem lösen? Bei BoldHumans haben sie die Antwort, und ich zitiere sie hier: „fast jedes Produkt ist für jedes Gender geeignet, nutz einfach deine Fantasie.“

Wie setzt BoldHumans diese Worte im eigenen Onlineshop um?
Zuerst einmal: Sie haben die Kategorien Weiblich/Männlich abgeschafft. Stattdessen sind alle Toys an einem Ort, unter der schlichten Kategorie TOYS. Dort kannst du nach Toy-Typen filtern (alle Toys > Dildos, Vibratoren, Anal-Plugs, BDSM-Gear usw.). Was ich daran mag: Es klebt dem Toy kein Gender an. Diese Filter sagen dir nur, um welche Art Toy es sich handelt. Sie setzen nicht voraus, dass das Toy für ein bestimmtes Gender ist, sie setzen nicht voraus, dass es für bestimmte Genitalien oder eine bestimmte Art Mensch ist. Ganz einfach: Es wird nichts vorausgesetzt und nichts unterstellt. Und das finde ich absolut großartig.
Eine weitere tolle Ergänzung zu Bold Humans’ Art, ihre Produkte für alle Gender zu präsentieren, sind die Produktbeschreibungen. Das kann man leicht übersehen, aber die richtige Beschreibung hilft bei Inklusivität wirklich. Die Beschreibungen auf der Seite lassen die Verwendung des Produkts oft offen für Interpretation und für die eigene Kreativität der Kund:innen. Und wenn nicht, wird nur benannt, welche Körperteile mit dem Toy stimuliert werden können, ohne vorauszusetzen, dass dieses Körperteil zu einem bestimmten Gender gehört oder dass es genau dort benutzt werden muss. Schließlich lassen sich Toys auf die kreativsten Arten verwenden und müssen sich nicht an die von den Designer:innen gedachte Nutzung halten!
Das Letzte, was ich an BoldHumans schätze, ist, dass es eine Gender-Kategorie gibt. Dort findest du geschlechtsbestätigendes Gear für trans Personen. Wie das Wort schon sagt: Gear, das die Geschlechtsidentität einer Person bestätigt. Wir sprechen über Binder, Tucking-Slips, Harnesses und Packer*.

Seit meinem Coming-out als transmasc sind mir viele Websites begegnet, deren Hauptzielgruppe trans Personen sind.
Neben BoldHumans gibt es weitere inklusive queere Sexshops wie Early 2 Bed und Other-Nature. Manche allgemeineren Sexshops verkaufen durchaus auch einfaches geschlechtsbestätigendes Gear. Viele verkaufen zum Beispiel einfache Packer wie den Mister Limpy. Oft phallisch geformte Prothesen, die für eine realistische bulge in der Hose der tragenden Person sorgen. Aber viel zu oft sehe ich, dass der Packer in der Kategorie Dildo einsortiert wird. Und ein einfacher Packer ist kein Dildo, und er wird auch überhaupt nicht für Sex benutzt. Das zeigt, dass es immer noch Missverständnisse über den Zweck eines Packers gibt. Klar, es gibt Packer, die für Sex gemacht sind, aber die heißen anders: 2in1, 3in1 oder 4in1*, je nachdem, welche weiteren Funktionen sie haben.
Wenn der Packer nicht unter Dildo einsortiert ist, muss ich ausdrücklich selbst in der Suchfunktion des Shops danach suchen. Das ist frustrierend und fühlt sich an, als wäre ich für die Menschen hinter der Seite nur ein nachträglicher Einfall. Toll wäre es, wenn diese Seiten auch eine Gender-Kategorie anbieten würden, in der sie alle geschlechtsbestätigenden Produkte und alles Gear ausdrücklich auflisten.
Es gibt noch viel zu tun, damit Sexshops für alle Gender inklusiver werden, aber hier und da sehe ich schon gute Anfänge. Die Welt entwickelt sich weiter, und diese Shops sollten das auch.

Welche Tipps können andere Sexshops also daraus mitnehmen, um inklusiver zu werden?
- Schafft die binären Kategorien männlich/weiblich ab. Sortiert Toys stattdessen nach Typ: Dildos, Vibratoren, Pulsator-Toys, Anal-Plugs usw.
- Wenn ihr geschlechtsbestätigende Produkte anbietet, packt sie in eine eigene Gender-Kategorie
- Wenn ihr diese Produkte nicht anbietet, denkt darüber nach! Neben dem nicht-sexuellen Gear gibt es auch spezielle Toys für trans Menschen. Das Erste, was mir einfällt: Masturbations-Sleeves für trans Typen/Menschen mit Bottom Growth.
- Bleibt in euren Produktbeschreibungen geschlechtsneutral, und wenn ihr bestimmte Körperteile benennen wollt, ordnet diesem Körperteil kein bestimmtes Gender zu
*Glossar
transmaskulin: in der Regel AFAB Personen, die sich mit einer maskulinen Geschlechtsidentität identifizieren, sie identifizieren sich nicht immer als Transmann
AFAB: assigned female at birth, eine Person, die die Ärzt:innen angeschaut und über die sie gesagt haben: „es ist ein Mädchen“
einfacher Packer: eine Prothese, die für eine realistisch aussehende bulge in Unterwäsche und Hose sorgt
2in1 kann sich auf einen STP Packer beziehen: ein Packer, mit dem du packen und im Stehen pinkeln kannst
2in1 kann sich auch auf einen Pack & Play beziehen: ein Packer, der zum Packen und für Sex gemacht ist
3in1 ist eine Prothese zum Packen, zum Stand-to-Pee und für Sex
4in1 ist eine Prothese zum Packen, zum Stand-to-Pee, für Sex und zum Masturbieren/zur Selbstbefriedigung

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